Einblicke in den Fish & Seafood-Sektor Indonesiens

Philipp Hämmerli | 05. März 2025

Bonafide reiste im Februar 2025 nach Indonesien, dem global drittgrössten Produzenten von Fish & Seafood. Mit einem kompakten Programm in der Hauptstadt Jakarta, der Region um Surabaya sowie dem Inselparadies Lombok gewannen wir Einblicke in den aufstrebenden Industriezweig. Noch fehlt es an börsenkotierten Pure-Play-Unternehmen, aber das ist lediglich eine Frage der Zeit. Lassen Sie uns ein paar Eindrücke teilen.

Quelle: Bonafide

Zwei Drittel der Volumen aus Aquakultur, ein Drittel aus Fischerei

Mit rund 7% Anteil an der globalen Produktion von Fish & Seafood belegt Indonesien hinter China und nur knapp hinter Indien den zweiten Platz. Im Jahr 2022 erzeugte Indonesien rund 22 Mio. Tonnen. Diese lassen sich in 14.6 Mio. Tonnen aus Aquakulturen sowie 7.4 Mio. Tonnen aus Wildfang aufteilen. Bei der Aquakultur entfallen jedoch 9.2 Mio. Tonnen auf pflanzliche Wassererzeugnisse wie Rotalgen, die zur Produktion von Carrageen und Agar benötigt werden.

Am meisten werden Tilapia (1.2 Mio. Tonnen) und Catfish/Welse (1.1 Mio. Tonnen) erzeugt. Dies sind Allesfresser und können daher mit kostengünstigem Futter aus Pflanzen gefüttert werden. Sie sind zudem nicht sehr anspruchsvoll bezüglich Wasserbedingungen, entsprechend gibt es zahlreiche kleine Farmen in Indonesien. Etwas anders verhält sich der Vannamei Shrimp (0.7 Mio. Tonnen), der den dritten Platz einnimmt. Die Spezies ist auf tierische Proteine im Futtermix angewiesen. Beim Wildfang dominieren Thunfische (1.1 Mio. Tonnen) sowie viele verschiedene pelagische Fische wie Makrelen oder auch Tintenfische.

Quelle: Bonafide

Besprechungen und Hafenbesichtigung in Jakarta

In der Hauptstadt, dessen Metropolregion 30 Mio. Menschen umfasst und damit hinter Tokio den zweiten Platz belegt, sind einige Firmenlenker sowie die Finanzindustrie zu Hause. Unser Netzwerk schaffte uns Zugang zum Hafen in Jakarta, wo alte Fischerboote auf topmoderne Tiefkühllogistikhäuser treffen. Wir trafen ein Start-up, welches immerhin rund 30 Mio. USD Umsatz generiert und kleine Volumen von Fischern in abgelegenen Küstenorten in ganz Indonesien sammelt. Zukünftig möchten sie diese auch selbst verarbeiten, um die Margen zu erhöhen. Einen Abstecher in die Wertschöpfungskette von Hühnchenfleisch liessen wir uns nicht nehmen und trafen die Manager eines börsenkotierten Unternehmens. Von den Finanz- und Makroanalysten eines lokalen Brokers liessen wir uns über die Wirtschaft und die Finanzflüsse aufdatieren.

Quelle: Bonafide

Besichtigungen in Surabaya

Nach wenigen Tagen ging es weiter in die zweitgrösste Stadt Surabaya, die nach wie vor auf der Hauptinsel Java, aber südöstlich liegt. Für Touristen ist der Vulkan Bromo in der Region ein Schauspiel, uns hat es zu einer Surimi-Fabrik nördlich der Stadt verschlagen. Dort hat ein in Malaysia kotiertes Food-Unternehmen erst kürzlich 16 Mio. USD in zusätzliche Kapazitäten investiert. Surimi wird aus pelagischen Fischen gewonnen und dient als proteinreiche, gesunde Basis für weitere Konfektionen wie Fischkuchen oder Krabbenfleischimitat.

Der Standort hat strategische Gründe, liegt doch der Hafen lediglich 15 Minuten entfernt und von dort steht die Java-See zur Verfügung. Am Folgetag galt der Fokus dem Vannamei Shrimp, wobei der Besuch bei einer neuen Fischfutterfabrik eines thailändischen Unternehmens auf dem Programm anstand. Da es sich um ein Joint Venture handelt, wurden uns die Türen zu den anderen Anteilseignern geöffnet. Einer der Mitbesitzer ist ein Shrimp-Züchter mit rund 8’000t Volumen, der gerade selbst eine AI-gestützte Software für ein besseres Reporting entwickelt. Ein anderer Miteigentümer ist wohl der grösste Seafood-Verarbeiter Indonesiens mit über 14'000 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist jedoch privat gehalten, wäre an der Börse aber als Mid Cap einzustufen.

Quelle: Bonafide

In 36 Stunden um Lombok herum

Die Reise endete mit einer Rundreise um die Insel Lombok herum. Es fehlte noch die Besichtigung einer grossskalierten Shrimp-Farm. Ein ebenfalls in Privatbesitz befindliches Unternehmen führte uns in den Norden Lomboks, wo in über 100 Ponds auf 25 Hektaren Shrimp gezüchtet wird. Der Ausflug beinhaltete die Übernachtung auf der Farm mit direktem Meeranstoss. Die Anlage ist abgeschottet von anderen Züchtern, was die Übertragung von Krankheiten von anderen Standorten verunmöglicht.

Seit 30 Jahren ist die Anlage operativ und verdient gutes Geld. Im Süden Lomboks werden Lobster mittels Ranching-Modell gezüchtet. Die Jungtiere verkriechen sich in zusammengepresstem Papierfallen 12 Meter unter der Wasseroberfläche und werden dann in wenigen Monaten marktreif gefüttert. Die Preise für Lobster sind bekanntlich sehr hoch, entsprechend verträgt der Markt nicht allzu hohe Volumen. Da Lombok ein Paradies für die Reisproduktion ist, machte der Besuch bei einer Reismühle den Abschluss. Die Insel produziert rund 1 Mio. Tonnen Reis pro Jahr und kann rund ein Drittel an andere Regionen in Indonesien exportieren.

Quelle: Bonafide

Quelle: Bonafide

Indonesien im internationalen Vergleich

Bei den Aquakulturen beginnen sich grosse Player zu etablieren. Mit Zugang zu Kapital und Technologie gehören die klassischen Tümpel der Kleinbauern vielleicht bald der Vergangenheit an. Einige Jahre werden dennoch vergehen. Chancen gibt es für Tüftler und Pioniere, die Technologie beispielsweise aus Norwegen nach Indonesien adaptieren möchten.

Im Innern der Verarbeitungsanlagen deutet nichts darauf hin, dass man sich in eher ärmlichen Regionen Indonesiens befindet. Es gibt internationale Standards, an die sich Exporteure auch in Südostasien halten müssen. Regelmässige Audits durch Drittprüfer gehören dazu.

Wir sind insofern positiv überrascht von unserer Reise, auch wenn noch nicht alles dem uns gewohnten Standard entspricht. Die Zeit für Investitionen in Indonesien scheint reif.

Quelle: Bonafide

Lobster

Farm im Süden Lombok's

Lobster

Hochpreisig, aber farblich eine Pracht

Käfigkonstruktion

Holz ist günstiger als Stahl, aber nicht geeignet fürs offene Meer

Regenzeit

Vogelperspektive aus dem Flugzeug auf überflutete Gebiete Indonesiens

Reisfelder

Ein Feld nach dem anderen auf Lombok

Lachs

Den orange Fisch aus Norwegen gibt's auch in Indonesien

Futtermittel

Pellets für Shrimps in verschiedenen Grössen

Abonnieren Sie unsere News-Updates

Bleiben Sie dank unseren Updates über die Entwicklung unserer Fonds und den Fish & Seafood-Sektor auf dem neusten Stand.

Kommentare